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Es gibt überraschende Nachrichten

Die Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn wollen den Nordhalbener Bahnhof nach und nach sanieren. Insgesamt müssen sie dafür fünf Millionen Euro aufbringen. Nun erhalten sie unerwartete Hilfe.

Ralf Ellinger, Vorsitzender der Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn, ist voll in seinem Element. Er steht am Mittwoch mit Guido Siebert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) vor dem denkmalgeschützten Nordhalbener Bahnhof. Dieser gehört Ellingers Verein seit 2019. Fünf Millionen Euro würde es kosten, ihn komplett zu sanieren und so in den Ursprungszustand von 1899 zu versetzen. Viel Geld für den kleinen Nordhalbener Verein. Zu viel.
Bei einem Telefonat mit Guido Siebert vor einiger Zeit entstand deshalb die Idee, über ein überschaubares Projekt den Einstieg in die Sanierung zu finden. Die Wahl fiel auf den Lokschuppen, weil der am dringendsten Hilfe benötigt. Durchs Dach regnet es schon länger rein. 2012 machte man deshalb eine Notsicherung ­- mit Teichfolie. Die sollte mindestens fünf Jahre halten, Sie tat ihre Dienste länger als gedacht, doch nun besteht Handlungsbedarf. 125.000 Euro soll diese Maßnahme kosten.
Am Mittwoch, erklärt Ellinger deshalb, dass er sich sehr über diesen Termin vor Ort gemeinsam mit der DSD freue, aber natürlich keine Förderzusage erwarte. Siebert runzelt kurz die Stirn: „Sie hätten die Zusage über eine Förderung über 60.000 Euro schon bekommen sollen. Sie ging am Montag raus.“ Ellinger ist wie vom Blitz getroffen: „Wow! Es gibt überraschende Nachrichten, die man gerne hört. Das hilft uns unglaublich weiter.“ Wenn die Förderanträge der Eisenbahnfreunde bei der Oberfrankenstiftung und beim Landesamt für Denkmalpflege ebenfalls positiv beschieden werden, kann beim „Sorgenkind Lokschuppen“ eigentlich nichts mehr schief gehen.
Das Treffen, bei dem Ellinger gemeinsam mit einigen Mitstreitern den DSD-Denkmalschutz-Experten eigentlich erst noch davon überzeugt wollte, wie wichtig eine finanzielle Förderung seinerseits ist, wird aber natürlich trotzdem fortgesetzt. Der Bahnhof liegt an diesem Morgen idyllisch vom Sonnenschein geküsst im Tal. Die dunklen Basaltsteine, mit denen die vier Gebäudefassaden verkleidet sind, wirken wie ein zufälliges Mosaik. Apropos Basalt: Woher der stammt, lässt sich wohl laut Kreisheimatpfleger Siegfried Scheidig nur in den alten Bauakten aus dem Jahr 1899 herausfinden: „Da müsste es ja noch Rechnungen geben.“ Die, so erklärt Architektin Dorothea Dietrich vom Kronacher Architekturbüro Detsch, habe sie. Sie verspricht, nachzusehen.
Siegfried Scheidig, der sich als Kreisheimatpfleger auch um das Thema Bergbau kümmert, hat naturgemäß ein Auge auf den Schiefer. So liegt die Frage für ihn nahe, ob denn bei der Sanierung des Lokschuppens auf die originale Verschieferung gesetzt wird? Ginge es nach Ralf Ellinger, so wäre das sicher. Aber zum einen sei das die Entscheidung des Vereins, zum anderen auch eine Frage des Geldes.
Er erzählt eine Geschichte: Die Eisenbahnfreunde sind auch Eigentümer des kleineren, nicht weit entfernt liegenden Bahnhofs Dürrenwaid, Dort musste auch ein verschiefertes Dach neu gedeckt werden. Nachdem der Kostenvoranschlag des Dachdeckers kam, hat sich der Verein nach Rücksprache mit dem Landesamt für Denkmalschutz darauf verständigt, den billigeren Kunstschiefer zu nehmen. „Der Dachdecker hat sein Gerüst aufgebaut und seine Werbeplane hingehängt. Ich kam nach Hause und der AB hat geblinkt. Darauf der erboste Anruf eines örtlichen Schieferbergwerksbesitzers: Was wir uns denken würden, Kunstschiefer da drauf zu machen? Ich habe versucht, zu erklären, dass das auch für uns wegen der Finanzen eine Notlösung ist. Daraufhin meinte er, ich solle ihm sagen, was der Preisunterschied ist. Der lag bei 3.000 Euro. Die hat er uns dann gespendet, damit wir Originalschiefer nehmen konnten“, erzählt Ralf Ellinger, während er seine Gäste zum Lokschuppen führte.
Es geht vorbei am ehemaligen Empfangsgebäude. Dort sieht man über den vier Türen noch Spuren eines früheren Vordachs. „Das gab es bis 1981. Es ist der Schneelast zum Opfer gefallen“, weiß Ellinger. Ein Vereinsmitglied das früher als Lokführer bei der Bahn beschäftigt war, habe ihm berichtet, dass man einst noch Meldung machen musste, wenn man wieder gen Kronach fuhr. Die Fernsprechverbindung sei in der Bahnmeisterei gewesen. „Als er da wieder raus ging, hat er ein Knacken gehört und Sekunden später kam das Dach runter.“
Ellinger kennt viele Geschichten. Er war schon als Bub ein Eisenbahnfan. Als er 1976 nach Kronach ans Gymnasium geschickt werden sollte, dachte er sich: „Wenigstens kann ich dann Zug fahren.“ Doch die Deutsche Bahn machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Sie stellte am 29. Mai 1976 ihren Betrieb in diesem Bereich ein. „Vielleicht war das die Initialzündung für das alles“, überlegt Ellinger, der nun schon seit über 40 Jahren Vorsitzender der Eisenbahnfreunde ist.
Ende der 70er-Jahre wurde der Bahnhof dann als Jugendherberge vom Jugendherbergswerk Berlin genutzt. Teenager aus der damals noch geteilten Stadt verbrachten ihre Ferien in Nordhalben - was für die Dorfjugend oft eine willkommene Horizont-Erweiterung versprach. Später, in den 90er-Jahren, wurde der Bahnhof als Flüchtlingsunterkunft genutzt. Wenn es nach den Eisenbahnfreunden geht, so soll er aber irgendwann wieder den Nutzen erfüllen, für den er einst gebaut wurde.
Der Lokschuppen soll dabei den Anfang machen. Die Tür wehrt sich erst ein bisschen, doch gibt sie schließlich nach, so dass die Gäste sich ein Bild vom traurigen Zustand des Gebäudes machen können. Der Hausschwamm hat sich hier breit gemacht. Weshalb DSD-Architektin Julia Pohl vorschlägt, nicht nur das Dach zu sanieren, sondern auf jeden Fall auch gleich etwas gegen den Schwamm zu unternehmen. Guido Siebert stellt dafür sogar eine Erhöhung der Fördersumme seitens der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Aussicht: „Darüber sprechen wir, wenn sie Zahlen vorlegen können.“ Und er gibt Ellinger den Tipp, jedes Jahr einen Förderantrag bei der DSD zu stellen: „Bis Sie fertig sind. Sie sollten sich jetzt schon Gedanken machen, wie Sie weiter vorgehen wollen.“
Im Lokschuppen fällt Siegfried Scheidig gleich ein Schwung alter, originaler Schieferplatten auf. „Allererste Qualität“, attestiert er. Die hielten sicher noch 100 Jahre auf dem Dach, Er regt an, sie für die Sanierung zu nutzen.
Ellinger zeigt zwei Schienenbusse, Motor- und Steuerwagen, die hier untergebracht sind. Jetzt wird auch klar, woher der Name Lokschuppen kommt. Der Platz ist beengt und bringt die Lokführer regelmäßig ins Schwitzen. „Wir haben nur fünf Zentimeter Spiel beim Einparken, sonst würden wir gegen die hintere Wand fahren“, erklärt Ralf Ellinger. Und so ein Zug verhält sich ähnlich wie ein großer Dampfer. Wenn man bremst, reagiert der Schienenbus zeitverzögert. Auf jedem Wagen prangen übrigens die Buchstaben EFR. „Die stehen für Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn. Der Eigentümer muss immer kenntlich gemacht werden“, erklärt Ellinger Guido Siebert. Der will wissen, ob der Verein das ganze Jahr über Fahrten anbietet. „Wir fahren vom 1. Mai bis Ende Oktober immer am Wochenende. Wir sind hier keine Touristen-Region, in der wir jeden Tag fahren könnten. Außerdem machen wir das alle ehrenamtlich und sind ja noch berufstätig“, sagt Ellinger.
Seit 2007 betreibe der Verein die Museumsbahn nun schon - und das relativ erfolgreich. Wenn es nach den Plänen der Mitglieder geht, könnten die Museumsbahn-Gäste irgendwann in den Gebäuden in Nordhalben die Pause zwischen Ankunft und Rückfahrt genießen.